Die Staatsanwaltschaft Itzehoe ermittelt im Fall der von Collien Fernandes erhobenen Vorwürfe gegen ihren früheren Mann Christian Ulmen. Anlass sei die Berichterstattung des „Spiegels“, teilte Oberstaatsanwalt Müller-Rakow am Freitag mit. „Die hier vorgenommene Auswertung dieser Berichterstattung hat zur Bejahung eines Anfangsverdachts gegen die von der Anzeigenden genannte Person geführt“. Die eingestellten Ermittlungen seien wieder aufgenommen worden. Es gehe um den Vorwurf der Nachstellung. „Inwieweit weitere Straftatbestände in Betracht kommen, ist Gegenstand hiesiger Prüfung.“ Weitere Auskünfte wollte Müller-Rakow zunächst nicht machen. Fernandes hatte im November 2024 Anzeige gegen unbekannt bei der Berliner Polizei erstattet, weil gefälschte Konten von ihr in den sozialen Netzwerken kursierten. Die Staatsanwaltschaft Itzehoe übernahm das Verfahren Anfang 2025 aus Zuständigkeitsgründen. Weil kein Täter identifiziert werden konnte und weitere Ermittlungsansätze fehlten, wurde es im Juni 2025 vorläufig eingestellt. Über den damaligen Fortgang der Ermittlungen hatten die Staatsanwaltschaft Itzehoe und Collien Fernandes in den vergangenen Tagen unterschiedliche Angaben gemacht. Laut Fernandes wurde sie von der Berliner Polizei darüber informiert, dass das Verfahren nun in Schleswig-Holstein liege. Sie sei daraufhin aber nie von den dortigen Behörden kontaktiert worden. Die Staatsanwaltschaft sagt hingegen, die Polizei in Schleswig-Holstein habe in ihrem Auftrag Fernandes per Brief mit der Bitte um weitere Unterlagen kontaktiert, auf diesen Brief habe sie aber nie reagiert. Ermittlungen können ausgeweitet werden Die Anklagebehörde hatte die Wiederaufnahme des Verfahrens nie ausgeschlossen. Müller-Rakow hatte gegenüber der F.A.Z. bekräftigt, dass ein solches Verfahren bei neuen Erkenntnissen auch um weitere Tatvorwürfe erweitert werden könne. Zunächst war es bei den Ermittlungen um den Verdacht auf „Ausspähen von Daten“ gegangen. Fernandes hatte in der vergangenen Woche im Magazin „Spiegel“ und auf Instagram schwere Vorwürfe gegen ihren früheren Ehemann Christian Ulmen erhoben. Die Vierundvierzigjährige beschuldigt den Schauspieler unter anderem, gefälschte Profile in ihrem Namen erstellt und pornographische Fotos und Videos verschickt zu haben, die „privat anmuten und so wirken sollten, als habe ich mich selbst nackt fotografiert und heimlich beim Sex gefilmt“. Ulmen habe ihr das selbst gestanden, nachdem er Ende 2024 von der Anzeige gegen unbekannt in Deutschland erfahren habe. Im Dezember 2025 hat Fernandes eine weitere Anzeige erstattet, diesmal gegen Ulmen und auf Mallorca, wohin das damalige Paar 2023 gezogen war. „Männer wollen mich killen“ Ulmens Anwalt sprach im Zusammenhang mit der „Spiegel“- Berichterstattung von „unwahren Tatsachen aufgrund einer einseitigen Schilderung“ und hat rechtliche Schritte angekündigt; es gilt die Unschuldsvermutung. Fernandes war überraschend am Donnerstag erstmals seit Erhebung der Vorwürfe öffentlich aufgetreten. Bei einer Demonstration in Hamburg gegen sexualisierte digitale Gewalt hielt sie unter Beifall eine emotionale Rede. Zunächst hatte sie angekündigt, wegen Sicherheitsbedenken nicht zu kommen. „Ich stehe jetzt hier mit einer schusssicheren Weste und Polizeischutz und mit Security, weil ich Morddrohungen bekomme“, sagte sie auf der Bühne. „Weil Männer, zu 100 Prozent Männer, mich killen wollen.“Man müsse sich nicht wundern, dass viele Frauen nicht den Mut hätten, darüber zu sprechen, was ihnen angetan worden sei. Die Verantwortung liege auf der Seite der Täter. Sie frage sich: „Wenn man die Eier hat, seine Frau digital zu missbrauchen, seine Frau gegen die Wand zu hauen oder was auch immer, warum hat man dann nicht die Eier, zu sagen, ja, ich war das, ja, ich habe das getan?“ Nach Angaben des Veranstalters „Es reicht! Hamburg“ nahmen 22.000 Personen an der Kundgebung teil, die Polizei sprach von 17.000 Personen.
